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Bessarabien erhielt den Namen nach dem walachischen Fürstengeschlecht Basarab.
Östlich der Moldau, zwischen dem Dnjestr im Osten und dem Pruth im Westen, dem Schwarzen Meer im Süden und den Ausläufern der Karparten im Norden gelegen, umfasst es 44.632 Quadratkilometer mit etwa 3 Millionen Einwohnern - 67 auf den Quadratkilometer (64 % Rumänen, 15 % Ruthenen und Russen, 10 % Juden, 4% Bulgaren, 3% Deutsche und 4 % sonstige). Im Norden und in der Mitte herrschten Rumänen vor; unter ihnen lebten stellenweise Ruthenen, im Süden Bulgaren, Russen, Rumänen, Juden und etwa 90.000 Deutsche lebten von Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Umsiedlung im Herbst 1940 dort. Der Norden und die Mitte sind uneben, stellenweise bergig und von Eichen- und Buchenwäldern bedeckt, der Süden und Osten ist Steppenland, für den Anbau von Getreide und für Viehzucht geeignet. Durch sein kontinentales Klima ist Südbessarabien von Dürreperioden bedroht, weshalb Missernten vorkommen.
Infolge seiner geografischen Lage hat Bessarabien eine bewegende und interessante Vergangenheit. Es ist das Übergansland aus der südrussischen Steppe in die Donauniederung und hat als Durchgangsland in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt. Um dieses Ländchen haben sich je und je verschiedene Völker gestritten. Es hat viele Verheerungen und Verwüstungen durchgemacht.
(Aus dem "Heimatbuch der Bessarabiendeutschen 1960" von Alois Leinz nach Immanuel Wagner) |
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190 Jahre Krasna
Eine Wanderung durch halb Europa
In den Jahren um 1800 - 1803, als von den Alpen, entlang vom Rhein bis zur Nordsee Armut, Hunger und Not herrschte, suchten mehrere Tausend Familien in der Fremde eine Möglichkeit dem Hungertod zu entgehen. Die Gründer von Krasna gehörten mit zu denen die im Osten von Europa einen Platz suchten um zu überleben. Nach einer Wanderung, die sich über Jahre ausdehnte glaubten sie im Land der Kaschuben weit genug von Napoleon entfernt zu sein um ungestört anzufangen eine neue, eine bleibende Heimat aufzubauen.
Ein verwildertes, sumpfiges Gebiet an der Weichsel in der Nähe von Warschau sollte für die zusammen gewürfelte Gruppe von Bauern (aus Bayern, Pfälzer, Elsaß, Saar, Eifel, Hunsrück, Westerwald und aus Polen) in den neu gegründeten Dörfer Ortschokowin und Schitonitz ihre neue dauerhafte Heimat werden. In Hütten , eingegraben in die Erde, abgedeckt mit Strauch, Disteln und Dornen, das wurde die Unterkunft für Mensch und Tier für die 3 Jahre an der Weichsel. Eine Hilfe oder Unterstützung von irgend einer Seite war nicht zu erwarten. Jahre mit viel Arbeit, in Armut, aus Hunger und Not war ihr Leben. Mit dem Bau der ersten Häuser wurden eine Besserung sichtbar. Einzelne Häuser waren fertig, andere waren kurz davor in die Primitiven Häuser einzuziehen. Es kam anders als man es dachte. Eine ausgehungerte Horde Soldaten der geschlagene Arme Napoleons die 1812 Fluchtartig auf dem Rückzug war überfiel die wehrlosen Hütten und raubten alles was greifbar war und ließen Not, Tot und Asche zurück.´
Zu der selben Zeit eroberte das Zaren Reich von den Türken die Menschenleere Steppe am Schwarzen Meer. Für dieses Land suchte der Zar Bauern, die das weite Land bearbeiten und Ernte einfahren sollte. Er schickte den ausgeplünderten Bauern im Land der Kaschuben ein Angebot, ins Land am Schwarzen Meer zu kommen und dort als freie Bauern sich eine Heimat aufzubauen. Das Angebot: als freie Bauern im damalige Rußland zu leben war ein Privileg für Offiziere und Regierungsbeamte. Dieses Privileg, mit 60 Hektar fruchtbarem Ackerland, Baumaterial, Ackergeräte, einem Gespann Pferde oder Ochsen, frisches Saatgut und Finanzielle Hilfe für die Anfangsjahre. Mit der Zusage,
-eine Befreiung von Steuern -Abgaben für die ersten 10 Jahre -eine Deutsche Verwaltung mit freien deutschen Schulen -freie Religion -und Befreiung vom Wehrdienst für alle Zeit.
Wie ein Geschenk vom Himmel, würde der Aufruf aufgenommen und man machte sich mit guter Hoffnung auf den Weg in Richtung Süden ins Reich des Zaren ans Schwarze Meer. Im Herbst 1814 haben die ersten Siedler das Kogelnik-Tal erreicht. Es waren die Jüngeren, die Kräftigsten und die, die das Glück hatten ein Gespann Ochsen oder Pferde zu retten.
Ein weit ausgedehntes Tal, umgeben von flachen Hügeln, mit einer Fläche von 7500 Hektar. Ein verwildertes fruchtbares Ackerland wurde ihnen übergeben. Hier sollte ein Zuhause aufgebaut werden das für alle Zeiten Lebensraum und schützende Heimat sein sollte. Wie im Land der Kaschuben, so mußten die Ankömmlinge sich in die Erde einzugraben. Die ausgehobenen Gruben wurden mit Busch und Schilf abgedeckt um Schutz für den kommenden Winter für Mensch und Tier zu haben. Armselig wurde der Winter ertragen in der Hoffnung, das im Frühjahr die zugesagte Hilfe vom Zar ankommt, damit man mit dem Aufbauen anfangen kann.
Monate vergingen, aber von der zugesagte Hilfe war nichts zu sehen. Die größte Gruppe, die in Dörfer der Moldova und Bender zum überwintern geblieben war kam erst im Frühling an. Deshalb wurde das Jahr 1815 als das Jahr der Gründung von Krasna Amtlich eingetragen. Mit eigener Kraft mußte an den Aufbau gegangen werden. Gemeinschaftlich wurde in Handarbeit die ersten Felder zur Aussaht hergerichtet und ausgesät. An Stelle der zugesagten Gespanne mit Pflug und Eggen wurde mit Baumkronen als Ersatz für Pflug und Egge die Felder aufgekratzt und so gut wie es möglich war eingesäht. Die Lebensmittel, die für den Anfang zugesagt waren, kamen sehr sparsam und zum Teil schon verdorben an. An das zugesagte Baumaterial und mit der versprochenen Finanzhilfe wurde sehr sparsam umgegangen. Dem Schicksal ausgeliefert ohne Recht, das Versprochene auch ein klagen zu können, ohne die Möglichkeit Umzukehren, gab es nur eins, leben oder sterben.
Mit letzter Kraft und mit dem Willen zu überleben wurde aus nichts eine blühende Landschaft geschaffen. Diese blühende Landschaft hat die erste Generation mit dem Tod erkauft. In größter Not, mit viel Arbeit und Entbehrung lebte die zweite Generation. Erst die dritte Generation hatte das tägliche Brot. Harte Rückschläge, mußten immer wieder hingenommen werden. Kriegsabgaben, Rekrutierung von Männer und Material, Einquartierungen, Schädlingsplagen, Dürre und Seuchen bremste das Vorankommen immer wieder.
In den Jahren um 1880 wurde die zugesagten Rechte der deutschen Siedler zurück genommen. Die deutschen Schulen und und die deutsche Verwaltung wurden russisch. Die Freistellung vom Wehrdienst gab es nicht mehr. Der Freikauf war jetzt die Alternative. Die ersten Männer wurden zur Arme gezogen und im Krieg gegen Japan eingesetzt. Mit der Nachricht von den ersten Gefallenen an der Front in Sibirien setzte die Abneigung gegen das Zarenreich ein. Vom Freikauf wurde immer mehr Gebrauch gemacht und von der Verwaltung schamlos ausgenutzt. Viel Geld und Material wurde dadurch aus dem Dorf gezogen.
Die Umstellung von der deutschen auf die russische Sprache brachte erhebliche Schwierigkeiten mit ins Dorf. Ein deutscher Unterricht in den Schulen wurde nur noch als Nebenfach geduldet.
Die Unzufriedenheit mit dem Zaren-Thron verbreitete sich unter den Deutschen in der gesamte Ukraine. Es wurde nach einer Ausweichmöglichkeit gesucht. Es kam die große Welle der Auswanderung von deutschen aus Süd-Rußland. In kleineren und auch grösseren Gruppen setzte ab dem Jahr 1885 bis 1907 die Auswanderung nach USA und Canada ein.
Die Umstellung von der deutschen auf die russische Sprache war noch nicht voll abgeschlossen und schon kam 1920 eine neue Umstellung. Von der russischen auf die rumänische Sprache. Bessarabien ist 1920 vom Rumänien übernommen worden. Nach der Abtrennung Bessarabiens von Rußland, wurden auch die Absatzwege in Richtung Odessa abgeschnitten. Neue Wege in Richtung Galaz mussten gesucht werden . Eine Unterstützung von Rumänien war nicht zu erwarten. Mit ständig neuen Forderungen und Behinderungen wurde der Absatz laufend erschwert oder sogar noch verhindert. Mit großer Anstrengung wurden neue Absatzwege in Richtung Galaz geschaffen. Durch die mangelhaften Transport-Möglichkeiten waren diese nicht so ertragreich, wie die nach Odessa. Geringere Preise und erhöhte Abgaben erschwerten das Leben zunehmend. Deutsche Dörfer waren immer die ersten die zur Abgabe für allerlei Vorhaben heran gezogen wurden. Murrend aber Machtlos musste die Abgaben getragen werden. Es gab keine Möglichkeit, diese zu umgehen. Zwanzig Jahre gehörte Krasna zu Rumänien und alle versuche aus den Deutschen echte Rumänen zu machen sind am Zusammenhalt der Leute im Leeren verpufft.
Mit Beginn des 2 Weltkriegs wurde das Leben durch den erhöhten Druck von oben immer mehr erschwert. Die Steuern wurden angehoben, eine größere Zahl Pferde mit Wagen und Geschirr mußte von Krasna im Herbst 1939 an die Arme abgegeben werden. Anfang 1940 wurde versucht die deutsch Sprache zu verbieten. Deutsche Vereine und Jugendgruppen mußten ihre Arbeit einstellen. Eine neue Lieferung von Pferde und Material wurde gefordert. Reservisten wurden in die Kasernen gerufen. In Fronarbeit mußten Schützengräben ausgehoben werden. In vertrauten Kreisen wurde vom Einmarsch der Russen in Bessarabien gesprochen und zum Teil auch sogar erwünscht.
Im Sommer 1940 war es so weit, die Rote Arme übernahm die Macht in Bessarabien und mit dem Abzug der Rumänen kam das Gespräch einer Umsiedlung auf. Von einer Umsiedlung nach Deutschland wollte Anfangs keiner etwas wissen, noch nicht einmal darüber sprechen . Die Hungerszeit vor der Auswanderung um 1800 und die schlechte Zeit, die einige in deutscher Gefangenschaft im 2 Weltkrieg mit erlebt hatten (über das bei allen Gesprächen lebhaft diskutiert wurde) steigerte die Ablehnung. Nach wenigen Tagen unter der Roten Armee in Krasna, änderte sich die Haltung zu einer Umsiedlung zunehmend. Ohne Werbung für eine Umsiedlung, ohne Versprechen, ohne zu wissen was uns erwartet, änderte sich täglich die Meinung dahingehend; "Wir müssen fort von hier!"
Mitte September 1940 wurde die Umsiedlung mit dem Abtransport der Kranken, Gebrechlichen und Alten durch Krankenwagen zum Donau Hafen Killi eingeleitet. Mit einer Generalstab´s geplanter Organisation haben 93.000 Umsiedler bis Mitte Oktober Bessarabien verlassen.
Jahrzehnte wurde geweint und getrauert, um das, was Generationen aufgebaut hatten. Heute sind wir, die das Land am schwarzen Meer als Kinder verlassen haben, unseren Eltern dankbar das sie für uns in die Urheimat zurück gegangen sind. In ein Land das unsere Vorfahren aus Not verlassen haben, das haben wir aus Not zur Heimat gemacht. Viel ist verloren gegangen, aber eine unsichtbare Erbschaft haben die Vorfahren uns mitgegeben. Es ist die Kraft und eine Ausdauer, in schwierigen Zeiten durchzuhalten bis man das Ziel erreicht hat. Dieses Erbgut dürfte unser Schlüssel dafür sein, das wir alle Hindernisse zum besten überstanden haben. Nach 50 Jahren ist es uns gelungen eine Verbindung mit Krasnoe (Krasna) aufzubauen. Durch die Verbindung wurden Die Gründer von Krasna in die Dorfgeschichte zurück geholt und ihnen ein Ehrenplatz geschaffen. Mit den Menschen von Krasnoe werden wir den Pioniere von 1814 am 21. August 2004 ehrenvoll gedenken.
Max Riehl, 22. Januar 2004 |